Interview zum Thema „Einzelhandel in Bonn“ |
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mit Tanja Kröber Vizepräsidentin der IHK Bonn/Rhein-Sieg in Die Wirtschaft/ Ausgabe 03/21

Liebe Unternehmerinnen und Unternehmer,
ich bin ein Kind der Bonner Innenstadt, meine Familie ist hier bereits in dritter Generation und seit über 80 Jahren im Handel tätig. Daher weiß ich aus Erfahrung, wie oft der Einzelhandel in der Vergangenheit Umbrüche verkraften und sich an neue Gegebenheiten anpassen musste.
War das Zentrum der Beethovenstadt während der „Bonner Republik“ noch von inhabergeführten Geschäften geprägt, so wandelte sich dies ab Mitte der 90er Jahre:
Die Filialisierung setzte langsam ein und die Innenstadt musste sich an geänderte Kundengruppen anpassen. Der Erlebniswert des „Shoppens“ rückte in den Fokus: Inzwischen erwarten Kundinnen und Kunden eine Vielfalt unterschiedlicher Angebote, die dazu verlocken, den Aufenthalt in der City auszudehnen.
Zudem wächst der Druck durch den stark wachsenden Onlinehandel, der zu einer weiteren Verdrängung von inhabergeführten Geschäften geführt hat und weiter führt. Die Auswirkungen der Corona-Krise wirken hier wie ein Brandbeschleuniger – den Händlerinnen und Händlern in der Innenstadt bleibt kaum Zeit sich neu aufzustellen, für den einen oder die andere kann es dann schnell zu spät sein.
Der Einzelhandel ist kein Haupttreiber der Pandemie, unsere Hygienekonzepte funktionieren. Aber die augenblickliche Politik des Öffnen-und- Schließens, gepaart mit teilweise recht unklaren Richtlinien und schleppend anlaufenden Förderprogrammen, ist nicht hilfreich und hat zu einem Vertrauensverlust
geführt. Daher haben die Mitglieder der IHK-Vollversammlung auf ihrer letzten Sitzung eine Corona-Resolution verabschiedet, in der u.a. endlich eine verbindliche Öffnungsstrategie für die Wirtschaft gefordert wird.
Während aller Wandlungsprozesse der Vergangenheit ist die uneingeschränkte Erreichbarkeit der Innenstadt für Kunden nie infrage gestellt worden. Das kann sich möglicherweise in den kommenden Jahren ändern, wenn die Bonner Innenstadt autofrei bzw. autoarm und der City-Ring gekappt wird.
Ich fordere nicht, dass jede Person mit dem eigenen Pkw in die Innenstadt fahren können muss. Allerdings sollte, ehe etwas verboten bzw. erschwert wird, erst einmal für alle potenziellen Kundinnen und Kunden ein alternatives Mobilitätsangebot geschaffen werden. Nicht zuletzt deshalb, weil Bonn von Städten umgeben ist, die viel besser zu erreichen sind.
Ich freue mich daher, dass die Bonner Oberbürgermeisterin versichert hat, an einer Kooperation mit den betroffenen Händlern, Gastronomen und Gewerbetreibenden interessiert zu sein. Hier werden wir Frau Dörner beim Wort nehmen, denn die Innenstadt lässt sich dauerhaft nur durch gemeinsame
Anstrengungen am Leben halten.

Tanja Kröber
Vizepräsidentin der IHK Bonn/Rhein-Sieg